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Kernformen und Kernstrukturen

+++ Letztes Update: 03. 12. 2009 +++

Kernmechanische Rätsel-Aufgaben, die bereits mittels einfacher Vektoraddition zu lösen sind ...
Im Gegensatz zu den oben gezeigten gg-Kernen haben Mg-23, 3/2+ und Mg-25 , 5/2+, ein magnetisches Dipolmoment, 0,5364 MK bzw. -0,8554 MK, das sich aus der Struktur ergibt.

Aufgaben-Beispiel: F-20, 2+, 2,0934 MK

Lösung:
                     - 0,7 MK + 2,793 MK = 2,093 MK

Aufgabe 1: Mg-23, 3/2+, 0,5364 MK

Lösung:
                   I- 0,55I  MK =  0,55 MK

Aufgb. 2: Mg-25, 5/2+, -0,85545 MK

Lösung:
 - 0,3 MK    - 0,55 MK =  - 0,855 MK

    Anmerkung: Das Vorzeichen ist hier ohne Belang! Es geht allein um den Absolutwert der Dipolmomente, also die Länge der resultierenden Vektoren. Kleine Abweichungen gegenüber den jeweiligen Meßwerten sind möglich.

    Des Rätsels Lösung ist ja eigentlich nicht wirklich schwierig; -
    zumal dann, wenn man dem hilfreichen (internen) Link zu den Dreifach-Orbitalen folgt.
    Bei der Aufgabe 1 ist das dreifache Neutronen-Orbital (Neutronen-Dipolmoment I-1,913I MK -0,7 MK -
    0,55 MK) im Grunde schon die Lösung, während bei der Aufgabe 2 noch das doppelt besetzte Protonenorbital (Protonen-Dipolmoment 2,793 MK - 0,3 MK) dazu kommt.

    Zu registrieren ist dabei, daß in der Regel der 6er-Ring zuerst - insbesondere bei ungerader Nukleonenzahl - mit Mehrfach-Orbitalen besetzt wird. Dagegen ist die Nukleonenanordnung im 8er-Ring fast immer spiegel-symmetrisch gerade...
     

Kernstrukturen und Dipolmomente

Falls nach Betrachtung der obigen Kernmodelle der Eindruck entstanden sein sollte, daß die Kernmechanischen Modellstrukturen damit erschöpft wären, so stimmt dies natürlich nicht; - nicht einmal für Magnesium. Dort gibt es nämlich bei den gg-Kernen Mg-24 und Mg-26 angeregte Zustände, jeweils mit I = 2+ und µ = 1,0 MK, die ebenso im Rahmen dieses Modells erklärt werden können. Der einzige Unterschied zwischen beiden Kernen liegt darin, daß bei Mg-26 der 8er-Ring mit gegenüberliegenden doppelten (statt einfachen) Neutronen-Orbitalen bestückt ist. Bei Si-28, mit I = 2+, gibt es dito dort lediglich ein doppeltes Neutronen-Orbital, bei-Si-27 dazu noch

zwei Dreifach-Protonen-Orbitale und bei Ar-33 allein gleich deren vier.

 Si-28, 2+, +1,1 (<1,25) MK

 

 

 Ar-33, 1/2+, -0,723 (-0,7) MK

Die Schwefel-Isotope S-33, -34 und -35 sind dagegen doch nicht ganz so einfach “sudokumäßig” - quasi automatisch - zu ermitteln, wie ursprünglich gegen Ende des Optimierten Modells angenommen! Wenn man nämlich versucht, das Ganze im Perlenmodell darzustellen, erkennt man sehr bald, daß, allen etwaigen Hilfsannahmen zum Trotz (etwa der postulierten teilweisen gegenseitigen Durchdringung von Nukleonen mit antiparallelem Spin), bei einem zentralen 8er-Ring spätestens bei drei dort aufgereihten 6er-Ringen Schluß ist. Das heißt, die dort zunächst angeführten “schönen” Kernmodelle kann es so nicht geben; - sie sind schlicht und einfach falsch!

Existiert dann wenigstens das Kernmodell mit dem zentralen 8er-Ring und den drei 6er-Ringen, wie es die Abbildung rechts suggeriert? - Das so beschriebene, sehr plausibel scheinende Modell gibt es offenbar wirklich. Seine Spuren findet man nämlich nicht nur jeweils als (erste, zweite oder dritte) angeregte Zustände mit I = 0 bei sehr geringen Anregungsenergien im Termschema des Basis-Nuklids 13-Al-26, sondern dito bei Al-28, P-30 und P-32 (2 oder 4 doppelt besetzte Protonen-Orbitale, bzw. zusätzlich 2 Neutronen-Orbitale). Aber auch Cl-33 mit I = 3/2+ und µ = 0,752 MK sowie vermutlich auch 19-K-41 und viele weitere Kerne basieren offenbar auf der genannten Al-26-Grundstruktur.

 

Cl-33, 3/2+, +0752 MK

Für Schwefel-33 und -34 führen jedoch alle Berechnungen auf Grundlage der bisherigen Modelle offenbar nicht zum Ziel. Vielmehr ergeben sich plausible Resultate erst dann, wenn man von einem Ne-20-Kernmodell ausgeht, welches aus einem zentralen Be-8-Ring und zwei seitlichen Li-6-Kernringen aufgebaut ist.

Warum aber besitzt das Modell offenbar noch keine Validität für Ne-20 und dessen Folgekerne, - warum also taucht es erst hier und jetzt auf?! Anders gefragt, wann paßt ein Modell in die Wirklichkeit?

Das Stichwort ist schon gefallen, - es lautet nämlich: “paßt”. Wie heißt es doch so schön: “Paßt, wackelt und hat Luft.” Allerdings, ganz so leger geht es geht es in der Kernphysik eben nicht zu! Hier muß es nämlich schon ziemlich genau passen, wie bei den beiden Li-6-Ringen, die sich perfekt ineinander fügen und zusammen so das wichtige Nuklid C-12 ergeben. Allein ist ein Li-6-Kernring (mit jeweils einander gegenüberliegenden komplementären Nukleonen) aber nicht stabil. Nicht einmal der an sich schon perfekt symmetrische Be-8-Ring ist es. Wirklich stabil wird dieser erst dann, wenn möglichst alle Kernorbitale (beim magischen Kern O-16) - oder wenigstens 5 von 8 - (bei C-13, N-14, -15) doppelt besetzt sind.

Ein solcher elastischer O-16-Kern kann nämlich praktisch ungestört interne elastische Schwingungen vollführen, ohne daran zu zerbrechen - was bei zwei nur locker ineinander verschränkten 8er-Ringen nicht der Fall ist. Bei einem 6er- und einem 8er-Ring kann der größere 8er-Ring ebenfalls relativ frei schwingen, ohne anzustoßen. “Klappern gehört (möglicherweise) zum Handwerk”, aber paßt nicht zur erfolgreichen Nuklid-Synthese!

Bei Cl- 35 und - 36 kommt das zunächst allein noch nicht “lebensfähige” Doppel-8-Kernringmodell endlich aber doch zum Tragen, zumal hier alle Orbitale zumindest doppelt besetzt sind, was sowohl das Orbital-Volumen als auch die Elastizität der Kernringe vergrößert. Beides kommt nun der Stabilität der Kerne zugute.

Cl-35, 3/2+, 0,82187 (0,87766) MK Cl-36, 2+, +1,28547 (1,35388) MK

So kann man jetzt bereits das folgende Resümee ziehen. Im Bereich etwa von A = 30 ... 40 gibt es also nicht den früher postulierten kontinuierlichen, stetigen Auf- und Ausbau eines einzigen Basiskerns, sondern ein eher chaotisches Springen zwischen verschiedenen Kernstrukturen. Allein entscheidend ist nur, welcher Zustand zur niedrigsten Systemenergie führt.

Im Zuge dieser Überlegungen rückt folgerichtig eine früher propagierte, (dann aber wegen der exotischen Kernform wieder beiseite gelegte, weil zu künstlich anmutende) Konfiguration aus einem 10er-Kernring und fünf dort aufgereihten 6er-Ringen wieder in den Blickpunkt des Interesses. Dabei paßt gerade die Sonderstellung dieses Kerns, im Vergleich zu seiner unmittelbaren Nachbarschaft, bestens zu seinen magischen Eigenschaften und dem Schalenmodell, mit dem wirksamen Abschluß der Kernschale genau an dieser Stelle. Die gleiche auffällige Sonderstellung bei der Bindungsenergie konnte übrigens ja auch schon beim Kernmechanischen Modell von O-16 konstatiert werden.

Wenn die vorstehenden Überlegungen richtig sind, muß es natürlich Spuren geben, die das bestätigen; - und die Spuren gibt es tatsächlich:

Wenn alle fünf Orbitale des 10er-Kernrings doppelt besetzt werden, führt das zu 25-Mn-50 - mit I = 0+ im Grundzustand. Wenn dazu alle Orbitale von zwei 6er-Ringen verdoppelt sind, ergibt das 31-Ga-62, ebenfalls mit I = 0+ im Grundzustand. Bei dito vier doppelt besetzten Li-6-Ringen, also dem Nuklid 37-Rb-74, ist das Resultat das gleiche. Wenn ausschließlich die Orbitale der äußeren fünf 6er-Ringe verdoppelt werden, führt das nunmehr zu 35-Br-70. Auch der Grundzustand dieses Nuklids lautet I = 0+.

Besonders interessant sind hier alle Kerne, die mindestens einen 6er-, bzw. 10er-Kernring enthalten, wobei nun alle Ringorbitale eines solchen Kernrings jeweils komplett gleich mit einem, zwei oder drei Protonen und / oder einem, zwei oder drei Neutronen besetzt sind. Rein rechnerisch kommen demnach Kernstrukturen mit folgenden Kernring-Konfigurationen für eine genauere Überprüfung in Frage: 6 + 6 / 8 + 6 / 8 + 6 + 6 / 8 + 6 + 6 + 6 / 10 + 5x 6, usw., usw.. Tatsächlich findet man dort praktisch überall entsprechende Kernzustände mit I = 0!

Um aber nochmals auf den Zusammenhang zwischen Kernformen und Kernstrukturen zurückzukommen: Gerade wurde in den USA eine neue Studie veröffentlicht, bei welcher verschiedene leichte Atomkerne mit hochenergetischen Elektronen beschossen wurden. Gegenüber dem oben geschilderten Versuchsaufbau im Kernforschungszentrum Karlsruhe, wo seinerzeit Elektronen-Energien von 104 MeV eingesetzt wurden, konnte nunmehr die Energie des Target-Strahls mit 5,8 GeV um mehr als das fünfzigfache gesteigert werden. John Arrington und andere vom Argonne National Laboratory in Illinois berichten in den Physical Review Letters, Ausgabe vom 13. 11. 2009, was sie dabei gefunden haben: Demnach besteht etwa der Kern von Be-9 im wesentlichen aus zwei He-4-Clustern und einem relativ lose gebundenen zusätzlichen Neutron. Genau dies hat aber das Kernmechanische Optimierte Modell bereits fünf Jahre zuvor, am 24. 11. 04, postuliert.

                  Gerd Schulte

Be-9 - Abb. P.Mueller - Argonne National Lab

Mg-24 und Mg-26, 2+, 1,0 MK

Si-27, 5/2+, 0,85554 (0,855) MK

Offenbar ist das aus einem zentralen 8er-Kernring und drei aufgereihten 6er-Ringen bestehende Basismodell Al-26 mit I = 0 auch die Grundlage für viele darauf aufbauende Kernmodelle.

S-33, 3/2+, +0,6438 (0,7) MK und S-34,  2+,   +1,0 (1,0) MK

Ne-21, 3/2+, 3/2+, -0,66179 (0,7) MK

C-12-Nuklid mit zwei ineinander verschränkten Li-6-Kernringen.

Der “magische” O-16-Kern - mit jeweils doppelt besetzen Orbitalen.

C-14, 3-, 0,82 (0,85) MK verfügt laut Messung über eine negative Parität.

Der sogenannte magische Kern von Ca-40 mit genau 20 Protonen und 20 Neutronen. Aber das ist noch nicht alles: Bei weiteren, auf dieser Grundstruktur aufbauenden Kernen mit ungerader Protonenzahl ist oft der Kernspin I = 0; - nämlich dann, wenn jetzt die Orbitale einzelner Kernringe komplett doppelt besetzt sind!

Be-9 - Abb. P.Mueller - Argonne National Lab. John Arrington u. a. untersuchten die Quark-
Struktur einiger leichter Atomkerne. Darunter: Kernmechanisches Modell (links: gestaucht!)

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